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MARSEILLE

Leider habe ich am 9.11.2012 nur einen Nachmittag Zeit für die Besichtigung der ältesten Stadt Frankreichs.

Marseille am 9.11.2012

Ein Bericht von Tamara
first published by: Reisen-Wandern-Tauchen


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Im Rahmen einer Dienstreise verbringe ich 3 Tage in Marseille im Hotel Suite Novotel.
Diese moderne Unterkunft mit bequemen Betten und guter Zimmerausstattung befindet sich etwas außerhalb des Stadtzentrums in Hafennähe. Besonders erwähnenswert ist wohl das Frühstück. Es gibt hier nämlich nur kleine Häppchen, wie Kuchen, Sandwichs, Pasteten etc., die alle in Plastikdöschen verpackt sind. Da ich gerne und viel frühstücke, türmen sich nach und nach die leeren Plastikverpackungen auf meinem Tablett, was ziemlich eigenartig und ungewohnt ist.

Derzeit finden im gesamten Stadtgebiet umfassende Bauarbeiten statt, denn Marseille soll 2013 Kulturhauptstadt Europas werden. Schon von meinem Hotelzimmerfenster zähle ich fünf Baukräne. Ich kann mir gut vorstellen, dass Kräne in Frankreich derzeit Mangelware sind, denn nahezu alle werden anscheinend in Marseille benötigt.

Ich beginne meinen dreistündigen Rundgang mit dem Viertel „Le Panier“. Der Name dieses Stadtteiles leitet sich von einer Herberge ab, die hier bereits im 17 Jahrhundert stand und auf einem Hügel den alten Hafen überblickte. Heute zählt Le Panier zur Altstadt von Marseille und besticht durch seine engen Gassen und alten Häuser. Viele Künstler ließen sich hier nieder und bieten in kleinen Geschäften ihre Erzeugnisse an.

Es gibt einen ausgeschilderten Rundgang durch das Viertel. Diesen sollte man jedoch nicht verlassen, denn die dahinter liegenden Gassen sind nicht renoviert und wirken sehr verwahrlost und schmutzig. Leider zählt Marseille außerdem zu den gefährlichsten Städten Frankreichs, und vor allem Taschendiebstahl ist an der Tagesordnung. Auch in meinem Seminar wurden zwei Teilnehmerinnen ausgeraubt. Daher halte ich meine Tasche gut fest und vermeide es, den Stadtplan offen zu tragen. Wachsam schlendere ich durch die Gassen, die auf eine lange Geschichte zurück blicken.

Schon 600 vor Christus wurde hier von griechischen Kolonisten eine Siedlung gegründet. Als Hafenstadt und Handelsmacht gewann Marseille immer mehr an Bedeutung und erlebte ihre Blütezeit im 17 Jh. Es gab im Laufe der Zeit immer wieder Unruhen, da Marseille als sehr eigenwillig und selbstbewusst galt. Mehrere Male wurde die Stadt von Frankreich unterworfen und besetzt. Im Zweiten Weltkrieg sprengte die deutsche Wehrmacht sämtliche Gebäude im Hafenviertel, und 30.000 Menschen wurden obdachlos. In heutiger Zeit leben mehr als 1,3 Millionen Menschen im Ballungsraum von Marseille. Die Stadt besitzt nach wie vor den wichtigsten Hafen der französischen Mittelmeerküste und ist zu einem wahren Schmelztiegel der Kulturen gewachsen.

Am Rande von „Le Panier“ steht das wuchtige Gotteshaus „Cathédrale de la Major“. Es wurde zwischen 1852 und 1896 im neoromanischen Stil auf den Resten einer mittelalterlichen Kirche erbaut. Die heutige Kathedrale hat eine Länge von über 140 Metern und ist die Bischofskirche der römisch-katholischen Erzdiözese Marseille.

Nach dem Besuch der Kathedrale wandere ich weiter zum Alten Hafen, dem „Vieux Port“. Er ist kulturelles und touristisches Zentrum der Stadt. Motoryachten und Segelschiffe reihen sich hier dicht aneinander. Auf den Besucher warten zahlreiche Restaurants, historische Gebäude und zwei Festungen, die den fotogenen u-förmigen Hafen säumen. Derzeit ist jedoch auch der Alte Hafen eine Großbaustelle.

Direkt am Vieux-Port starten Autobusse zu einer 1 ½ stündigen Stadtrundfahrt. Die „Marseille Grand Tour“ fährt in der Wintersaison 13 Stationen an. Aus- und Einsteigen ist beliebig oft möglich, da das Ticket einen ganzen Tag lang gültig ist. Da ich nicht viel Zeit für Sightseeing habe, kann ich wenigstens auf diesem Wege einen schnellen Überblick über Marseille bekommen.

Zuerst geht die Bustour entlang des Vieux Port, wo gerade ein Fischmarkt stattfindet. Am Ende des Hafens passieren wir das mächtige Fort Saint Nicolas, welches zur Zeit Ludwig XIV. erbaut wurde. Trotzig schieben sich die imposanten Mauerreste auf einem Kalkfelsen in Richtung des Hafens.

Eingebettet zwischen dem Meer, einer Hügelkette und zahlreichen Felsbuchten bietet Marseille seinen Besuchern auch mehrere kleine Sandstrände, die im Sommer sicher gut besucht sind. Gleich hinter dem Alten Hafen befindet sich das „Vallon des Auffes“ , ein Fischerdorf direkt am Wasser mit einladender Atmosphäre. Dahinter erhebt sich das eindrucksvolle Monument „Porte de l’Orient“, das Marseilles Stellung zwischen Okzident und Orient betont.

Der Küste vorgelagert liegen einige karge Felseninseln, die Frioul genannt werden. Die Bekannteste unter ihnen ist die kleine Insel If mit dem Chateau d‘If. Dieses Kastell beherbergte einst gewaltige Kerkeranlagen, in denen politische Gefangene untergebracht wurden. Ihre Berühmtheit verdankt die Festung dem Schriftsteller Alexandre Dumas, der einen Teil der Handlung seines 1844 erschienenen Romans "Der Graf von Monte Christo" hier spielen ließ. Auch der "Mann mit der eisernen Maske" soll hier inhaftiert gewesen sein. Diese Inseln können mit einem Ausflugsboot besucht werden, dazu fehlt mir aber leider die Zeit. Wie gerne würde ich den Spuren von Edmond Dantes folgen!

Auf einem der Felsplateau, 160 Meter über der See, wacht die markante Wallfahrtskirche Notre-Dame de la Garde über die Stadt. Das markante Gotteshaus mit seiner goldenen Marienstatue auf dem Dach ist das Wahrzeichen von Marseille und wird von zwei Millionen Menschen jährlich besucht. Eine Legende besagt, dass schon viele Schiffe durch die hell schimmernde Statue wohlbehalten den Weg in den oft nebeligen Hafen gefunden haben. Sie wurde an der Stelle einer mittelalterlichen Kapelle zwischen 1853 und 1864 erbaut und beeindruckt auch durch ihre prächtige Innenausstattung.

Vom Eingangsportal der Kirche genieße ich einen herrlichen Rundblick über Marseille. Leider spielt das Wetter nicht mit, denn dunkle Wolken hängen über dem Vieux Port. Wie schön muss die Aussicht erst bei Sonnenschein sein!

Langsam wandere ich anschließend zurück bergab zum Vieux Port und erkunde die kleinen Plätze und Gassen hinter dem Alten Hafen. Hier gäbe es noch Einiges zu sehen, doch da die Zeit bis zu meinem Rückflug schon knapp wird, muss ich nun zurück zum Hotel um mein Gepäck abzuholen und das Taxi zum Flughafen zu erreichen. Über einen Zwischenstopp in Lyon erreiche ich schließlich spätabends wohlbehalten Wien.


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