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2. Tag - 31.1.2004: Kusadasi - Ephesus - Priene - Milet - Didyma - Übernachtung in Bodrum

Zeitig am Morgen machten wir einen Stadtspaziergang. Kusadasi hat nicht viele Sehenswürdigkeiten zu bieten, lediglich befindet sich in Hafennähe eine zinnenbekrönte Karawanserei aus dem 17. Jh., die zu einem Hotel umgebaut wurde. Über einen ca.300 Meter langen Damm gelangten wir schließlich auf die Taubeninsel und umrundeten dort die Reste des byzantinischen Kastells. (siehe Beschreibung Vortag).
Anschließend setzten wir unsere Fahrt fort und erreichten wenig später die ca. 20 km nördlich von Kusadasi gelegene Ausgrabungsstätte Ephesus.

Ephesus ist ein Muss für jeden Türkei-Besucher. Das Ausgrabungsgelände zählt zu den größten Ruinenstätten der westlichen Welt.
Den Grundstein für die Stadt legten ionische Siedler im 11. Jh. vor Christus. Ephesus lag direkt am Meer und entwickelte sich rasch zu einer blühenden Metropole. Um 133 v .Chr. fiel Ephesus an die Römer und wurde Hauptstadt der Provinz Asia, mit über 200.000 Einwohnern. Die meisten Ausgrabungen, die man heute besichtigen kann, stammen aus dieser Zeit.
262 n. Chr. wurde das gesamte Stadtgebiet von den Goten vernichtet und nur spärlich wieder aufgebaut. Als auch noch der Hafen verlandete, wurde die ehemalige Weltstadt komplett aufgegeben.

In der Hauptsaison durchwandern manchmal bis zu 15.000 Besucher täglich das Ausgrabungsgelände. Als wir zuletzt im Herbst 2001 Ephesus besuchten, wurden wir von den Menschenmassen beinahe erdrückt und konnten die Herrlichkeit der Stadt gar nicht richtig genießen.
Diesmal jedoch hatten wir großes Glück und konnten Ephesus beinahe für uns alleine ergründen.
Bei einem Rundgang kann man noch immer den ehemaligen Glanz und Reichtum der Stadt erahnen. Säulen und filigrane Tempelfragmente schimmern in bunten Marmortönen. Ein großes Theater, geschaffen für 25.000 Zuschauer, und einige Wohnhäuser mit gut erhaltenen Mosaiken und Fresken schmiegen sich an die umliegenden Berghänge.
Unter den aus Marmor bestehenden Straßen befand sich ein ausgeklügeltes Kanalsystem, dessen Reste noch immer zu sehen sind.
Auch einige Tempelfassaden wurden wiedererrichtet und lassen die ehemalige Größe und Wichtigkeit der Stadt noch immer erkennen. Hier wird Geschichte lebendig!
Das berühmteste Gebäude von Ephesus ist zweifellos die Celsus-Bibliothek. Sie wurde 135n Chr. erbaut. Die Fassade des 2-stöckigen Gebäudes wurde vollständig - samt allen Details - rekonstruiert und lässt Besucherherzen höher schlagen.
Böse Zungen behaupten, zwischen der Celsus Bibliothek und dem gegenüber liegenden Freudenhaus hat es einen unterirdischen Verbindungsgang gegeben, sodass Männer - ohne das Wissen ihrer Ehefrauen - heimliche "spezielle Besuche" machen konnten.

Nach diesem großartigen Zweitbesuch von Ephesus machten wir einen kurzen Zwischenstopp bei den Resten des Artemis-Tempels, eines der 7 Weltwunder. Von den ehemals 127 reich verzierten Säulen steht nur noch eine einzige. Der Tempel wurde im 6 Jh. v. Chr. (Bauzeit 120 Jahre) erbaut und maß enorme 106 x 55 Meter. Nach zweimaliger Zerstörung (Brandstiftung) und anschließendem Wiederaufbau, verfiel er in byzantinischer Zeit - nach Zerstörung durch die Goten - komplett.

In der Nähe des Grabungsgeländes, auf dem Berg Aladag, befindet sich das "Haus der Maria". Hier - in einem kleinen Steinhaus mitten im Wald - soll Maria nach dem Tod Jesu ihre letzten Lebensjahre verbracht haben.

Anschließend besichtigten wir die antike Stadt Priene, die wie Ephesus von ionischen Siedlern ca. 1.000 v. Chr. gegründet wurde. Sie wurde im 4 Jh. v. Chr. mit einem schachbrettartigen Grundriss neu angelegt.
Ihre Lage, einsam auf einer Hochebene zwischen dem Fluss Büyük Menderes (Großer Mäander) und dem Berg Mykale, ist grandios. Von den Ausgrabungen kann man daher eine wunderbare Fernsicht genießen.
Früher lag Priene direkt am Meer, die Stadt hatte ca. 5.000 Einwohner. Als der Hafen verlandete, verschwand ihre Bedeutung und in byzantinischer Zeit war sie bereits verlassen.
Malerisch ragen 5 Säulen des ehemaligen Athenatempels vor der Bergkulisse empor, der Bau des Tempels wurde im 4 Jh v. Chr. von Alexander dem Großen in Auftrag gegeben.
Das Theater aus dem 3 Jh v. Chr. fasste 5.000 Besucher, interessant ist auch das eckige Bouleterion (die Ratskammer) für 650 Personen.
Auch hier hatten wir das Glück, die Sehenswürdigkeit für uns alleine betrachten zu können, abgesehen von den Ziegen, die zwischen den Resten der Bauwerke weideten.

Da wir von antiken Städten nicht genug bekommen können, statteten wir anschließend auch Milet noch einen Besuch ab.
Im ebenfalls ionischen Milet (Ionier eroberten das Gebiet im 11 Jh. v. Chr.) mit 80.000 Einwohnern und 4 Häfen, blühte die Kunst, und die Stadt galt als bedeutendes Industriezentrum für Kleidung und Wolle.
Auch Milet, das auf einer Halbinsel gelegen war, holte dasselbe Schicksal wie Ephesus und Priene ein, das Meer zog sich zurück und die Stadt wurde verlassen.
Besonders imposant ist das Theater. Es ist eines der größten von Kleinasien und wurde unter dem römischen Kaiser Trajan auf den Fundamenten eines Tempels erbaut. Es fasste 25.000 Besucher, direkt über dem Theater wurde ein byzantinisches Kastell im 8 Jh n.Chr. errichtet. Von den Resten dieser Festung hat man einen schönen Blick auf das große Ausgrabungsgelände.

Abends stoppten wir noch kurz bei der antiken Orakelstätte Didyma.
Leider war das Gelände schon geschlossen und wir konnten nur einen kurzen Blick durch den Zaun werfen.
Didyma galt als die berühmteste Orakelstätte von Kleinasien. Verehrt wurde der Gott Apollo mit einem riesigen Tempel von 51 x 110 Metern. Die Tempelanlage war mit wunderschönen Reliefs geschmückt, von denen Reste noch heute zu besichtigen sind. Am bekanntesten ist das steinerne Medusenhaupt.

Spätabends erreichten wir Bodrum, wo wir übernachten wollten. Da es nicht einfach war, auf die Schnelle ein im Winter geöffnetes Hotel zu finden, wurde es uns ausnahmsweise erlaubt, in der "Lehrer-Pension" zu übernachten. Um ein Doppelzimmer zu bekommen, mussten wir dem Herrn an der Rezeption aber versichern, dass wir wirklich verheiratet sind, was er uns anfangs einfach nicht glauben wollte. Barans Überredungskunst hatte schließlich doch noch geklappt. Todmüde fielen wir nach dem anstrengenden, aber fantastischen Tag ins Bett.


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