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zweiter Tag - 31.3.2009 - Bairro Alto - Chiado- restliche Baixa - Kastell

Nach dem Frühstück begaben wir uns zum Elevador da Gloria, dessen Talstation sich direkt vor dem Hotel befindet. Bis spät in die Nacht hatten wir die alte Standseilbahn quietschend den Hang auf und ab fahren gehört, wohl eine andere Art von Schäfchen zählen vor dem Einschlafen! Nun wagten wir selbst die Bergfahrt im Elevador mit einer Steigung von 18% und einer Länge von 265 Metern.
Nach ungefähr fünf Minuten steiler Auffahrt erreichten wir schließlich die Oberstadt, das Viertel Bairro Alto.

Ein paar Schritte neben der Bergstation der Seilbahn genossen wir vom Aussichtspunkt Miradouro Sao Pedro Alcantara einen traumhaften Blick auf das Stadtzentrum bis hin zum Tejo, der in der Morgensonne golden glitzerte. Uns gegenüber thronte das wuchtige Kastell St. Jorge, welches wir am Nachmittag besuchen wollten.
Da Lissabon angeblich wie Rom auf 7 Hügeln erbaut wurde, gibt es in der Innenstadt auf jeder Erhebung malerische Aussichtspunkte, die ausgeschildert sind und Miradouros genannt werden. Hier kann man sich wunderbar vom Stadtbummel ausruhen und die einzigartige Atmosphäre der Stadt genießen.

Allerdings haben wir unserem Reiseführer entnommen, dass man bei Aussichtspunkten und Straßenbahnhaltestellen besonders auf seine Wertsachen aufpassen sollte, da vor allem auffallend gut gekleidete Herren den nichts ahnenden Touristen um die Reisekasse erleichtern.
Auch wir sind mehrmals von netten Lissabonern vor Taschendieben gewarnt worden, glücklicherweise ist nichts passiert, und wir haben uns scherzend ausgemalt, wer von den gutaussehenden Herren wohl einem kriminellen Nebenerwerb nachgehen könnte.

Nach einer ausgiebigen Fotopause beim Aussichtspunkt schlenderten wir weiter durch das Bairro Alto und besuchten die Jesuitenkirche Sao Roque aus 1566. Von außen sieht diese eher unscheinbar und schlicht aus, doch ihr Inneres mit 4 Kapellen an jeder Seite blendet beinahe durch die üppige Ausstattung mit prunkvollen Goldverzierungen, prachtvollen Kacheln und 18 verschiedenen Marmorarten.

Anschließend gelangten wir in das Stadtviertel Chiado, der westlichen Oberstadt. Im Zentrum befindet sich die noble Einkaufsstraße Rua Garrett, die auf den Largo do Chiado führt. Diesen kleinen Platz beherrscht die Statue des Mönchs und spöttischen Dichters Antonio Ribeiro Chiado (1520–1591). An den Seiten befinden sich zwei Kirchen, die Igreja do Loreto ou dos Italianos und die Igreja de Nossa Senhora do Encarnação. Wir entschieden uns für den Besuch der Zweitgenannten. Dieses einschiffige Gotteshaus wurde im 18 Jahrhundert erbaut und ist von kühlen Marmortönen geprägt. Welch ein Unterschied zur opulenten Sao Roque Kirche!

Ein paar Schritte entfernt befindet sich Lissabons Opernhaus, das Teatro Nacional de São Carlos aus dem 18 Jh.
Ebenfalls am Largo de Chiado lud uns das „Cafe A Brasileira“ zu einer kleinen Rast ein. Glaubt man dem Reiseführer, handelt es sich hierbei um das berühmteste Kaffeehaus der Stadt, das in den 1920er Jahren vor allem Künstler, Philosophen und Schriftsteller anzog. Noch heute sitzt die Bronzestatue von Lissabons berühmtem Lyriker Fernando Pessoas (1888-1935) vor dem Cafe und genießt das rege Treiben.
Auch wir hatten einen Logenplatz auf der Terrasse und erfreuten uns an einer sehr guten heißen Schokolade.

Frisch gestärkt bummelten wir durch die engen, verwinkelten Gassen und stoppten bei einem mit herrlichen Kacheln verzierten Haus, dem „Largo Rafael Bordalo Pinheiro“.
Schließlich gelangten wir zum Largo do Carmo, einem schattigen, romantischen Platz mit plätscherndem Brunnen und kleinem Kiosk.
An dessen Seite schmiegen sich die mächtigen, dachlosen Ruinen des Convento do Carmo. Dieses gotische Bauwerk wurde beim Erdbeben 1755 teilweise zerstört. Heute streben seine Pfeiler noch immer trotzig in den blauen Himmel und erheben sich als Wahrzeichen über der Stadt.
In den Seitenflügeln befindet sich ein Teil des Archäologischen Museums, welches wir eingehend besichtigten. Glücklicherweise waren wir bis auf zwei Japanerinnen die einzigen Besucher, sodass wir die Ruhe des Ortes richtig genießen konnten.

Nach der obligaten Bitte der Japanerinnen um ein Foto von ihnen, verließen wir diesen Ort der Stille durch ein schönes gotisches Portal und gingen weiter zur Hauptattraktion Lissabons, dem Aufzug Elevador Santa Justa.
Dieser befindet sich gleich neben dem Convento und verbindet die Oberstadt Chiado mit der Unterstadt Baixa. Die auffallende Konstruktion aus Stahl wurde von Raoul Mesnier de Ponsard - einem Schüler von Gustave Eiffel- entworfen und 1902 eröffnet, um den Lissabonnern den steilen Aufstieg zu erleichtern.
Der vertikale Aufzug hat 2 Kabinen für jeweils 25 Personen und überwindet 45 Höhenmeter. Von oben hatten wir einen tollen Blick rund über die Hügel der Stadt.
Unten angelangt waren wir froh, die Abfahrt gewählt zu haben, denn alle Anderen wollten hinauf, sodass sich eine lange Warteschlange gebildet hatte.

Da wir gestern noch nicht alles von der Baixa gesehen hatten, machten wir uns nun auf den Weg durch die schmalen Gassen zum Praca da Figueira, der gleich hinter dem Rossio Platz liegt.
Hier befand sich einst das Krankenhaus der Stadt, später wurde die große Freifläche als Marktplatz verwendet.
Vom Praca de Figueira erhaschten wir einen schönen Blick auf das Kastell direkt über uns, welches wir anschließend besuchen wollten.

Zuerst stoppten wir aber noch bei einem unscheinbaren Haus auf der Rua St. Portas de S.Antao Nr 58. Hier im Casa do Alentejo, dem Kulturzentrum Lissabons, verbirgt sich ein wunderschöner maurischer Innenhof mit verschnörkelten Ecken, orientalischen Säulen und Springbrunnen mit Palmen.

Schließlich wanderten wir weiter zum Elevador do Lavra, dem ältesten der drei Standseilbahnen Lissabons. Dieser war allerdings gerade nicht in Betrieb, sodass wir weitermarschierten Richtung Kastell. In einem kleinen Park vor einer Schule machten wir Pause, bevor es weiter steil bergauf ging.
Schließlich gelangten wir zum kleinen Platz Mártires da Patria – wohl einem der sieben Hügel der Stadt - wo besonders eine Statue mit unzähligen, marmornen Gedenktafeln auffällt. Leider sind wir der portugiesischen Sprache nicht mächtig, auch der Reiseführer erwähnte diesen Platz nicht. Vielleicht hat die Statue samt den Votivtäfelchen etwas mit dem dahinter liegenden Krankenhaus zu tun? Oder es ist ein Wallfahrtsort, da auch Kerzen entzündet werden können?

Nach einer kurzen Rast im kleinen Park am Platz schlenderten wir bergab – am Krankenhaus vorbei – zum Largo Martim Moniz, einer großen Freifläche mit moderner Brunnenanlage. Von hier aus fährt die Straßenbahn 12 zum Kastell.
Die Haltestelle war modern ausgestattet, mit Minutenanzeige bis zur Ankunft der nächsten Bahn. Allerdings kam sie nie! Nachdem wir ungefähr eine halbe Stunde vergeblich auf den Zug gewartet hatten, stiegen wir schließlich in ein Taxi.
Schon bald wussten wir, warum alles still stand. In den engen Gassen nahe des Kastells hatte es einen Auffahrunfall zwischen einer Straßenbahn und zwei Autos gegeben. Wild beschimpften sich die Lenker der Fahrzeuge, und unzählige Passanten mischten sich ein in das wütende Geschrei. Bevor unser Taxifahrer kehrtmachte und eine andere Route durch die verwinkelten Gassen suchte, sahen wir noch eine äußerst zornige Frau, die einem Mann ihre Tasche auf den Kopf warf.

Froh, heil bei der Festung angekommen zu sein, genossen wir erstmal den herrlichen, weiten Blick auf die Stadt unter uns. Das Castelo de Sao Jorge ist eine 6000 m2 große Anlage mit wuchtigen Bastionen, trutzigen Türmen und wehrhaften Mauern. Sie wurde im 5 Jh erbaut und wurde beim großen Erdbeben 1755 fast vollständig zerstört. In den 1930-er Jahren wurde sie glücklicherweise rekonstruiert, sodass sie in heutiger Zeit ein bedeutendes Wahrzeichen der Stadt ist.
Wir verbrachten einen angenehmen Nachmittag hier, machten einen Rundgang über die Burgzinnen und besuchten eine Ausstellung über die Stadtgeschichte in den Räumlichkeiten der Burg. Der heimliche Star des Kastells ist wohl ein schillernder Pfau, der stolz inmitten der Anlage seinen Rundgang macht.

Nahe der Burg befindet sich die Aussichtsterrasse Santa Luzia. Touristen und Einheimische genießen bei diesem Miradouro den stimmungsvollen Blick auf das Gassengewirr des Alfama-Stadtviertels und den Tejo.

Anschließend fuhren wir zurück zum Hotel und packten unsere Bücher ein. Den warmen, sonnigen Abend verbrachten wir lesend am Miradouro Sao Pedro Alcantara. Vorher schlenderten wir jedoch noch zum Praca do Principe Real, einer kleinen Parkanlage mit einer riesigen, alten Zeder, unter deren mächtigen Schirm alte Herren saßen und sich angeregt und lautstark miteinander unterhielten.


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