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siebenter Tag - 5.4.2009 - Torre de Belem – Padrao dos Descobrimentos – Mosteiro dos Jeronimos – Palacio da Ajuda – Santo Amaro – Cristo Rei

Mit der Straßenbahn Nr 15 gelangten wir in den westlich vom Zentrum gelegenen Stadtteil Belem. Er liegt direkt am Ufer des Tejo und ist bekannt für seine zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Postkartenmotive. Von hier aus starteten einst die Seefahrer, um ferne und exotische Länder zu entdecken. Noch heute liegt Fernweh in der Luft, und in den historischen Bauten kann man die einstige Macht und den Reichtum des Seefahrervolks erkennen.
Schon von weitem erkennt man die Silhouette des Torre de Belem, der massiv und gedrungen, aber doch mit unzähligen fragilen manuelinischen Details, den Zugang zu Lissabon bewacht.
Als er zwischen 1515 und 1519 errichtet wurde, stand er mitten im Tejo und sollte die Stärke und den Einfluss Portugals als See- und Handelsimperium verkünden.
Später -als die Goldenen Zeiten verblassten- diente das Bauwerk als Telegrafenstation, dann sogar als Gefängnis. Heute ist die Festung UNESCO Weltkulturerbe und eines der bekanntesten Wahrzeichen Lissabons.
Nach dem großen Erdbeben von 1755 änderte der Fluss seinen Lauf, sodass man heute nur über eine kleine Brücke zu gehen braucht, um das Innere des Bauwerks zu erkunden.
Zuerst gelangten wir in die sechseckige Bastion mit 17 Schießscharten, von wo wir auch einen Blick in die ehemaligen Gefängniszellen werfen konnten. Darüber befindet sich eine schöne Plattform mit kleinen maurischen Türmchen, Fenstern und Balkonen im venezianischen Stil und allerhand verspielten maritimen Dekorationselementen der Manuelinik.
Besonders detailliert gearbeitet ist eine Madonnenstatue im gotischen Stil, die die Seefahrer beschützen sollte.
Von hier aus führen teilweise sehr enge und steile Stufen in das Turmgebäude. Der vierte Stock beherbergt die ehemalige Kapelle mit einem prächtigen Kreuzrippengewölbe.
Schließlich gelangten wir auf die oberste Plattform, wo wir die schöne Aussicht genossen und mit zahlreichen Fotos dokumentierten.
Erwähnenswert ist wohl auch die steinerne Büste eines Nashornkopfes an einer Seitenwand des Turmes. Es handelt sich hierbei um die erste Darstellung solch eines Tieres in Europa, daher kann man es auch nur mit sehr viel Fantasie identifizieren. Ich hätte hier eher an einen Kuhkopf gedacht!

Die Promenade am Fluss führte uns nun vom Torre de Belem zum Padrao dos Descobrimentos. Dieses moderne Denkmal aus 1960 ragt wie der Bug eines stolzen Schiffes in den Tejo. 33 steinerne Persönlichkeiten der Zeit der großen Entdeckungen blicken voller Tatendrang in die weite Welt und lenken den Blick unwillkürlich in die Ferne.
Innen im Padrao bestiegen wir einen Aufzug, der uns auf die 52 Meter hohe Plattform brachte. Unter uns befand sich der kleine Sporthafen von Belem und vor dem Eingang des Denkmals ein riesiges, marmornes Bodenmosaik, welches eine Weltkarte mit den Routen der portugiesischen Entdeckungen zeigt.

Von hier oben aus konnten wir auch schon das gegenüber erbaute Kloster Mosteiro dos Jeronimos bewundern, welches wir anschließend besichtigten.
Zuerst mussten wir jedoch eine stark befahrene Straße mittels eines Tunnels überwinden. Er befindet sich (das Padrao im Rücken) auf der rechten Seite vor dem Denkmal und kann leicht übersehen werden, da er nicht beschildert ist!
Dann gelangten wir in die gepflegte Parkanlage des Klosters, wo wir ein wenig rasteten und die Ruhe genossen.
Schon als wir wenig später vor dem Eingang der Klosteranlage standen, raubte uns die schier überquellende Verzierung der Kalksteinfassade regelrecht den Atem.
Es ist wohl unbestritten das schönste Gebäude Lissabons und ein Glanzstück manuelinischer Architektur.
Diese Klosteranlage wurde 1544 fertig gestellt und überstand das große Erdbeben 1755 wie durch ein Wunder ohne größere Schäden.
1834 wurde das Mönchkloster Staatseigentum und beherbergte nun ein Waisenhaus. Heute zählt es zum UNESCO Weltkulturerbe und Teile davon werden als Museum genutzt.
In der Klosterkirche wurde gerade die Palmsonntagsmesse gefeiert, sodass wir zuerst den zweistöckigen Kreuzgang bewunderten. Jeder noch so kleine Winkel ist hier übersät mit ziselierten Ornamenten. Knoten umschlingen den Stein und scheinen ihn so festhalten zu wollen, filigrane Arabesken und Blumenmuster wetteifern um die Gunst des Betrachters, unzählige Türmchen und steinerne Figuren recken sich stolz in den blauen Himmel. Man könnte hier Stunden des Schauens und Staunens verbringen!
Die Anlage beherbergt auch Grabmäler einiger Monarchen und berühmter Persönlichkeiten, unter anderem auch die letzte Ruhestätte des berühmten Seefahrers Vasco da Gama.
Diese wollten wir natürlich finden, was sich aber als gar nicht so leicht darstellte. Bei mindestens vier Sarkophagen glaubten wir, nun endlich beim Richtigen zu sein.
Schlussendlich wurden wir in der Klosterkirche doch noch fündig, ein ganz kleines Schild wies auf den bekannten Verstorbenen hin.
Hohe, schlanke Säulen säumen das große, 90 Meter lange und 27 Meter breite Kirchenschiff. Sie sind reich dekoriert und streben - sich nach oben hin öffnend- hinauf in das prächtige Kreuzrippengewölbe.

In der Nähe des Klosters ist am besten das Cafe „Antiga Casa dos Pasteis de Belem“ für eine kleine Pause geeignet. Noch zu Hause wurden wir bereits beschworen, die dort angebotenen Pasteis – kleine Törtchen mit Puddinggeschmack – unbedingt auszuprobieren, denn sie sollten die besten der Stadt sein.
Das traditionsreiche Cafe wirkt zuerst wie ein Labyrinth, sechs mit Azulejos geschmückte Räume reihen sich aneinander, seit 1837 werden hier täglich mindestens 10.000 Pasteis de Nata nach einem Geheimrezept – welches bis heute nur der jeweilige Direktor und Koch kennt - gebacken. Die Törtchen werden mit Kaffee oder Kakao serviert und mit Zimt bestreut, wirklich eine tolle kulinarische Verführung.

Frisch gestärkt fuhren wir mit der Straßenbahn zum nahe auf einem Hügel gelegenen Palacio Nacional da Ajuda.
Die Bauarbeiten des neoklassizistischen Palastes begannen im Jahr 1807, wurden aber niemals fertig gestellt, da die königliche Familie vor Napoleons Armee nach Brasilien fliehen musste.
Trotzdem war das Anwesen in späterer Zeit Wohnsitz der königlichen Familie. Die prunkvoll ausgestatteten Räumlichkeiten kann man bei einer Rundtour besichtigen.
Der Eintritt war bei unserem Besuch frei, leider war Fotografieren verboten. Die extravaganten Innenräume protzen mit Seidentapeten, schweren Möbelstücken und feinem Porzellan. Einige Säle sind regelrecht kitschig ausstaffiert, beispielsweise das rosa Zimmer, welches ausschließlich mit pinkfarbenen Interieur ausgestattet ist.
Im riesengroßen Speisesaal werden noch in heutiger Zeit Staatsbankette abgehalten.
Von vorne scheint das Gebäude gewaltige Ausmaße zu haben, kaum gelangten wir jedoch auf die Rückseite, waren nur noch leere Fensterfronten zu sehen.

Hinter dem Palast fährt die Straßenbahn weiter ins Viertel Santo Amaro. Hier wollten wir einen Geheimtipp, die Aussicht von der Kirche Ermida de Santo Amaro, entdecken.
Nach einigem Herumirren fanden wir die kleine Kapelle aus 1549 schließlich auch. Leider war sie nicht geöffnet, jedoch konnten wir trotzdem schöne Azulejos durch das Gitter hindurch erkennen.
Es handelt sich bei dem kleinen Gotteshaus um einen Rundbau, der sonst im Land selten zu finden ist. Von der Aussichtsplattform der Kappelle genossen wir einen wunderbaren Blick auf die rote Hängebrücke Ponte 25 de Abril, die sich fast direkt über uns befand. Das ständige Rauschen der sechs Fahrbahnspuren erinnerte uns an eine Textpassage unseres Reiseführers, die lautete, dass die Brücke zu den größten Nadelöhren Lissabons zählt.
Vom anderen Ufer des Tejo blickte die Christo Rei Statue einladend auf uns herab.
Diese wollten wir anschließend als Abschluss der Reise besichtigen.

Über einige Stufen bergab gelangten wir zur Straßenbahn Nr. 15, die uns zurück zum Cais do Sodre Bahnhof brachte. Hier folgten wir den Schildern zur Fähre Cacilhas, die für die Überfahrt des Tejos ungefähr 10 Minuten benötigt. Die Lissabon Card ist hier nicht mehr gültig, wir mussten uns daher separate Tickets kaufen.
Drüben angelangt, versuchten wir am Autobusbahnhof die Station des Busses Nr. 101 ausfindig zu machen. Es gab hier keinen Schatten und die Sonne brannte unbarmherzig auf uns herab. Daher waren wir froh, dass der Bus schon bald kommen sollte. Leider hatten wir uns zu früh gefreut! Die Wartenden wurden immer mehr; ein Mann fluchte lautstark, denn selbst wenn ein Bus ausfällt sollte der Nächste 20 Minuten später abfahren.
Schließlich wurden wir über eine Stunde in der Sonne gegrillt, bevor endlich der ersehnte Bus Nr 101 vorfuhr. Der fluchende Mann ließ uns bereitwillig den Vortritt –ich muß wiedermal eine knallrote, besorgniserregende Gesichtsfarbe gehabt haben – in den Bus, sodass wir noch Sitzplätze bekamen.
Die Auffahrt auf den Hügel zur Christo Rei Statue dauerte nur ca 15 Minuten. Wenn wir das gewusst hätten, wären wir zu Fuß hinauf marschiert.

Die steinerne Jesusfigur mit ausgestreckten Armen steht nahe an einer Klippe über dem Tejo und überblickt Lissabon und die Ponte 25 de Abril.
Sie wurde 1950 erbaut, als ihr Vorbild diente die gleichnamige brasilianische Statue. Das gesamte Bauwerk ragt 110 Meter empor, allein die Christusstatue ist 28 Meter hoch.
Im Inneren brachte uns ein Aufzug zu einer Plattform am Fuße der Statue. Von hier aus genossen wir ein weitreichendes Panorama über die Stadt und ihre Umgebung.
Das Christo Rei Bauwerk ist für viele Portugiesen ein nationales Heiligtum und eine Pilgerstätte.

Die Rückfahrt mit dem Bus gestaltete sich glücklicherweise problemlos. Am Hafen genossen wir bei trauriger Fado-Musik unser letztes Abendessen und ließen die tollen Erlebnisse der letzten Tage Revue passieren.
Bei der Fährüberfahrt zurück nach Lissabon verstärkte sich diese melancholische Stimmung noch zusätzlich durch einen malerischen Sonnenuntergang über dem Fluss.


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