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Zweiter Tag - 24.2.2007 - Casablanca – Königsstadt Rabat

Nun konnte also unsere ganz persönliche Begegnung mit dem Orient beginnen.
Morgens starteten wir mit einer kleinen Stadtrundfahrt durch Casablancas Zentrum, welches nicht sehr groß ist und kaum touristische Sehenswürdigkeiten bietet.

Casablanca ist die größte Stadt Marokkos und sehr modern. Sie liegt an einer Bucht des Atlantischen Ozeans, südlich der eigentlichen Hauptstadt Rabat.
Die Stadt ist das Wirtschafts- und Handelszentrum des Landes, über 80 % der marokkanischen Industrie befindet sich hier und 60 % des Seehandels werden über Casablancas Hafen abgewickelt. In Casablanca ist die Hälfte aller marokkanischen Arbeitnehmer beschäftigt, daher hat die Stadt nahezu 3 Mio. Einwohner.

Die Geschichte Casablancas begann im 8Jh mit einer kleinen Berbersiedlung mit dem Namen Anfa. Im 12. Jh. wurde Anfa von den Almohaden erobert, die es zu einem wichtigen Hafenplatz ausbauten. Im 15Jh überfielen Piraten die wohlhabende Stadt und bauten sie zu einer gefürchteten Seeräuberfestung aus.
Schließlich ließen sich hier die Portugiesen nieder, bis 1755 ein schweres Erdbeben die „Weiße Stadt“, auf portugiesisch „Casa Branca“ zerstörte. Wenig später wurde sie unter demselben Namen von den Alaouiten wieder aufgebaut. Im 19 Jh ließen sich hier spanische Händler nieder, die den Namen der Stadt wiederum in ihre Sprache übersetzten, nämlich „Casa Blanca“.
Unter der französischen Protektoratszeit, Anfang des 20 Jh., wurde ein Großhafen erbaut und zahlreiche Fabriken und Unternehmen entstanden. Das nun einsetzende industrielle Wachstum prägt die Stadt bis zur heutigen Zeit.
Bekannt und berühmt ist Casablanca auch wegen des gleichnamigen Films, der allerdings in den USA gedreht wurde.

Zuerst besuchten wir einen kleinen, quirligen Markt mit allerlei Kram, unter anderem Plastikwaren, Flechtwerk, Kochtöpfchen, Einrichtungsgegenstände, etc. Ein großer Bereich des viereckigen Marktgeländes beherbergt alles Essbare, wie Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch. Alles sah hier sehr frisch und sauber aus. Als großer Blumenfreund fand ich die Pflanzenecke des Marktes – mit einem Meer an verschiedensten bunten Blumen – natürlich äußerst anziehend.

Der letzte Stopp in Casablanca war die vom Atlantik umtoste Moschee Hassan II, die mit ihren gewaltigen Ausmaßen von 200 Metern Länge, 100 Metern Breite und einer Minaretthöhe von beinahe 200 Metern die zweitgrößte Moschee der Welt ist (nach Mekka). Ehrfürchtig bewunderten wir dieses gigantische Bauwerk, welches unter König Hassan II errichtet und 1993 eingeweiht wurde.

Unser Busfahrer Moulay führte uns nun weiter nach Rabat. Die heutige Hauptstadt und Königsresidenz des Landes liegt am Ufer des Flusses Bou Regreg, an der Mündung in den Atlantik. Rabat ist eine elegante, sehr einnehmende Stadt, die vor allem durch das Zusammenspiel von alter und neuer Architektur einen unverwechselbaren Charme ausstrahlt.

Bereits im 3 Jh v.Chr. befand sich an der Mündung des Bou Regreg eine karthagische Siedlung. Sie wurde von den Römern erobert und Sala Colonia genannt (siehe Nekropole Chellah). In späterer Folge wurde die Stadt die Hauptsiedlung eines Berberstammes. Gegen Ende des 10Jh wurde ein Ribat – eine befestigte Klosterburg – errichtet. Im 12 Jh bauten die Almohaden die Festung großzügig aus. Manche Bauwerke, darunter eine gigantische Moschee, wurden allerdings nie vollendet (siehe Hassanturm). Von den nachfolgenden Herrscherdynastien vernachlässigt, von den Portugiesen geplündert, verfiel die Stadt immer mehr, bis sich im 17Jh andalusische Flüchtlinge hier niederließen. Sie erbauten die heutige Medina (ältester Teil der Stadt) und brachten durch Piraterie und Sklavenhandel Reichtum. 1666 wurde die berüchtigte Piratenstadt in das marokkanische Reich eingegliedert.
1829 wurde ein europäisches Schiff gekapert, woraufhin ein Vergeltungsschlag auf mehrere Atlantikhäfen folgte, sodass der damalige Sultan Moulay Abd er Rahman das Piratentum in ganz Marokko verbot.
Rabat verfiel darauf nahezu zur Bedeutungslosigkeit, bis es 1912 zum Verwaltungssitz der französischen Protektoratszone wurde. Daraufhin verlegte der damalige Sultan Moulay Youssouf seine Residenz von Fes nach Rabat. Auch nach der Unabhängigkeit Marokkos 1956 blieb Rabat Hauptstadt und Königssitz von Marokko.

Zuerst besichtigten wir das weitläufige Palastviertel der Stadt. Hier befindet sich die Hauptresidenz von König Mohammed VI. Die Palastanlage ist leider nicht zugänglich, lediglich das prachtvolle Eingangstor konnten wir fotografieren.

Anschließend ging es weiter zur Nekropole Chellah, die ehemaligen Totenstadt der merinidischen Fürsten des 14 Jh.
Ihre Reste, die bereits seit langem von der Natur zurückerobert werden, liegen friedlich auf einem Hügel, der zum Tal des Bou Regreg hin sanft abfällt. Die Grabanlage wurde auf der alten Römerstadt Sala Colonia errichtet. Heute bewohnen nur noch zahlreiche Störche und Katzen den durch eine wuchtige Mauer geschützten Komplex.

In der Nähe der Chellah befindet sich der mächtige Hassanturm. Er ist das Minarett einer Moschee aus der Almohadenzeit des 12 Jh. Sie sollte das größte Gebetshaus der Erde werden, wurde aber aus Kostengründen nie vollendet. Heute kann man neben dem Turm noch zahlreiche Säulenüberreste erkennen.
Am südlichen Ende des Moscheegeländes liegt das prachtvoll gestaltete Mausoleum Mohammed V. Es wurde zwischen 1961 und 1967 erbaut und gilt als eines der schönsten Bauwerke islamischer Architektur der neueren Zeit, manchmal wird es sogar mit dem Taj Mahal verglichen.

Ein weiteres Highlight von Rabat ist die Kasbah des Oudaias. Dieses Altstadtviertel, das nach einem kriegerischen, arabischen Nomadenstamm des 13 Jh benannt ist, wurde auf der Stelle der ehemaligen Ribat (Klosterburg ) errichtet.
Die Kasbah (Kasbah bedeutet Zitadelle bzw. ummauerte Stadt) wird von einer 10 Meter hohen und 2,5 Meter dicken Mauer umrahmt, den eindrucksvollen Haupteingang bildet das Tor „Bab el Kebir“, welches zu den schönsten Bauwerken der Almohadenarchitektur zählt.
Nachdem wir die schmalen, blau getünchten Gassen der Kasbah betreten hatten, fühlten wir uns plötzlich in eine vergangene Zeit zurückversetzt. Der Lärm der Stadt verstummte allmählich und die malerischen Gassen verleiteten uns zum Träumen. Unvermutet öffnete sich ein kleiner Platz, von dem wir einen wunderbaren Blick auf den wilden Atlantik unter uns werfen konnten. Hier treffen sich viele einheimische Liebespaare, die Händchen haltend den Ozean betrachten.
Inmitten der Kasbah befindet sich ein großer Garten im andalusischen Stil, mit zahlreichen Blumenbeeten und knorrigen Bäumen.

Leider mussten wir nun die äußerst sehenswerte und abwechslungsreiche Stadt Richtung Meknes verlassen.
Die Fahrt zur ehemaligen Königsstadt Meknes führte uns durch den Mamora – Wald, mit 60 km Länge und 30-40 km Breite, das größte Waldgebiet Marokkos. Der Mischwald dient zur Holzproduktion und zum Korkabbau. Um den Bestand der Korkeichen zu schützen, plant man jedoch, den Wald in ein Biosphärenreservat umzuwandeln.

Abends erreichten wir schließlich unser Tagesziel Meknes, wo wir in einem sehr komfortablen, orientalisch gestalteten Hotel untergebracht waren.


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